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Herzliche Grüße des armenischen Botschafters

Armenien – Land voller Geschichte und Abenteuer


Rede von S.E. Ashot Smbatyan

Botschafter der Republik Armenien in der Bundesrepublik Deutschland

Muggensturm 28.03.2019
 
Wo beginnt und wo endet Europa? So simpel diese Frage auf den ersten Blick erscheint, so unterschiedlich kann man sie beantworten. Aus geografischer Sicht gehört zum Beispiel Deutschland eindeutig zu Europa, während Indien nicht in Europa zu verorten ist. Oder umfasst Europa all jene Länder, die das sogenannte europäische Wertesystem teilen? Ist Europa vielleicht ein global zu eruierender Wirtschaftsraum? Wie Sie sehen, lässt sich diese einfache Frage aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Was das konkret für ein Land wie Armenien bedeutet werde ich versuchen, Ihnen aufzeigen.
Armenien befindet sich in der Kaukasusregion an der geografischen Schnittstelle zwischen Europa und Asien und grenzt an die Staaten Türkei, Georgien, Aserbaidschan und den Iran.
Armenien hat ca. drei Millionen Einwohner.  Nach dem Zerfall der UdSSR 1991 rief Armenien nach einem Referendum seine Unabhängigkeit aus. Mit einer Fläche von rund 30.000 km2 ist das Land etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg. Etwa die Hälfte Armeniens ist bergig und trocken, ein Drittel nehmen Weiden und Ackerflächen ein.
Politisch ist unser Land eine parlamentarische Republik, die eigentlich bis vor kurzem ein semipräsidiales Land war. Armenien ist quasi vom französischen Modell zum deutschen Modell übergegangen.
Das Land Armenien, das man heute besuchen kann, ist ein moderner und junger Staat, der noch keine dreißig Jahre alt ist. Die Wurzeln des armenischen Volkes reichen jedoch dreitausend Jahre zurück in die Geschichte. Gerade für ein so uraltes Land wie Armenien, das stets ein Zankapfel der Großmächte wie für den Osmanischen, Persischen Reich oder das zaristische Russland war, spielt die Geschichte eine herausragende Rolle.
Daher ein kurzer geschichtlicher Exkurs. Die Armenier gehören zu den ältesten Kulturvölkern der Welt. Wir selbst nennen unser Land Haiastan, was auf den mythologischen Stammvater Haik zurückzuführen ist, der in heidnischer Vorzeit auch als Gott verehrt wurde. Im vorchristlichen Jahrhundert erlebte Armenien in Folge des Kontaktes mit der hellenistischen Kulturwelt eine erste Blütezeit in der Kunst, Literatur und Handel. Man kann in dieser Zeit bereits den Beginn des kulturellen Austauschs zwischen Armenien und Europa verorten. Vor allem die strategische Lage des Landes auf der Ost-West-Route der damaligen Seidenstraße weckte schnell die Begierde fremder Mächte, denen sich Armenien jedoch bis in die römische Kaiserzeit hinein erfolgreich wiedersetzen konnte.
So alt wie unsere Geschichte ist auch unsere Religion. Das Christentum wurde vor mehr als 1.700 Jahren von Armenien, als erstes Land der Welt, zur Staatsreligion erklärt und bis heute spielt der christliche Glaube eine entscheidende Rolle im Leben vieler Armenier.
Trotz einer Reihe militärischer und politischer Niederlagen bewahrte sich das armenische Volk auch in den folgenden Jahrhunderten seine nationale Identität und einzigartige Kultur. Die Entwicklung des armenischen Alphabets spielte dabei eine entscheidende Rolle, auch wenn das Land politisch zersplittert war und unter fremder Herrschaft stand.
Im Osmanischen Reich nutze die damalige jungtürkische Regierung die Zeit des Ersten Weltkrieges, die systematische Ausrottung der armenischen Bevölkerung in den von Armeniern bewohnten Städten und Dörfern durchzuführen. Zwischen 1915 und 1916 sind 1,5 Millionen Armenier in ihrer Heimat Opfer des geplanten Genozids geworden. Die Wenigen, die sich retten konnten, fanden in Amerika, Europa und im Nahen Osten Zuflucht und gründeten dort die Gemeinden der armenischen Diaspora, die bis heute existieren. Auch die Diaspora ist eine wichtige Brücke zwischen Armenien und der Welt.
Als Folge des Ersten Weltkrieges entstand eine Reihe unabhängiger Staaten in Gebieten, die vormals zum Deutschen Kaiserreich, Osmanischen Reich und Russischem Kaiserreich gehörten. Einer dieser Staaten war die am 28. Mai 1918 ausgerufene Demokratische Republik Armenien, die jedoch nur zwei Jahre lang bestand und 1920 Mitglied der Sowjetunion wurde. Und somit blieb Armenien bis 1991 als eine der fünfzehn Sowjetrepubliken der UdSSR.
Es war ein langer und steiniger Weg bis zur Unabhängigkeit Armeniens. Mitte der achtziger Jahre begann in der Sowjetunion die sogenannten „Perestroika und Glasnost“, woran die Armenier aus Berg-Karabach als erste geglaubt haben und schon im Februar 1988 mit friedlichen Demonstrationen ihre Stimme gen Moskau richteten. Eine Stimme, die ca. 70 Jahre kein Gehör fand, sich nun aber Gehör verschaffen wollte. Diese Stimme wurde bereits damals durch die Sowjets unterdrückt und niedergehalten. Gegen den Willen des armenischen Volkes von Berg-Karabach hatte Stalin bereits 1920 mit der Entscheidung der damaligen Kavbjuro (Kaukasische Parteibüro) diese Region (Enklave) zur aserbaidschanischen Republik eingegliedert. Und nicht nur Berg-Karabach, sondern auch die Region Nachidschewan, die keine Grenzberührung mit Aserbaidschan hat, wurde nach Aserbaidschan eingegliedert.  Nachidschewan als autonome Republik, Berg Karabach als autonome Oblast.
Als Antwort auf die friedlichen Demonstrationen, sowohl in Berg-Karabach als auch in Armenien von 1988, begannen in Baku und in Sumgait regelrechte Pogrome gegen die armenische Bevölkerung. Diese Situation eskalierte zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR geriet der junge Staat (ähnlich wie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) in eine schwere Wirtschaftskrise aber 1997 setzte das Wirtschaftswachstum wieder ein und im Jahre 2006 erlangte die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 wieder.
Seit unserer Unabhängigkeit liegt das Ziel der armenischen Außenpolitik nicht darin, gegen ein Land zu agieren, sondern mit all unseren mittelbaren und unmittelbaren Nachbarn an einer dauerhaften friedlichen Koexistenz für die Region zu arbeiten. Aufgrund dieser Prämisse müssen Sie die armenische Außenpolitik auch als großes Ganzes betrachten und dazu gehören neben den einzelnen bilateralen Abkommen auch die Einbeziehung Armeniens in verschiedene Strukturen und Organisationen der internationalen Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, dass Armenien aus historisch erwachsenen Gründen einerseits eine enge strategische Partnerschaft mit Russland und andererseits sehr gute Beziehungen zum Westen, sprich der Europäischen Union und den USA pflegt. Kontinuierlich entwickeln sich auch die Beziehungen mit dem Iran, dem Nahen Osten und China.
Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union zählt zu den priorisierten Richtlinien der Außenpolitik der Republik Armenien. Seit Beginn des neuen Jahrtausends wurden die bilateralen Beziehungen zwischen Armenien und der Europäischen Union daher sukzessive ausgebaut.
Ab Januar 2013 beschloss die armenische Regierung einseitig, die visafreie Einreise für EU-Bürger zu gewährleisten und verhandelt seither mit der EU über wechselseitige Visaerleichterungen und Rückübernahmeabkommen.
Im November 2017 hat Armenien schließlich mit der EU ein großes Rahmenabkommen geschlossen, das eine neue und breitere Tür für die Zusammenarbeit öffnet. Dabei unterstützt die EU den gesellschaftlichen Transformationsprozess, die politische Neugestaltung nach freiheitlich demokratischem Vorbild sowie die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen die Korruption.
Im Hinblick auf den Berg-Karabach-Konflikt hat Armenien vor der Europäischen Union die Bedeutung bestehender vereinbarter Formate für eine friedliche Lösung bekräftigt. Zu Recht beruft sich die EU beim Berg-Karabach-Konflikt auf die Co-Vorsitzenden der Minsker-Gruppe innerhalb der OSZE. Sicherheit und Status der Bevölkerung von Bergkarabach haben die höchste Priorität.
 
Armenien ist zugleich Mitglied in der Eurasischen Wirtschaftsunion. Aus unserer Sicht können die Integrationsprozesse auch parallel erfolgreich laufen. Wir plädieren weiterhin für das „Sowohl – als auch“ und nicht das „Entweder – oder“.
 

Diese Woche erreichte uns noch ein Brief von Botschafter Smbatyan aus Berlin :
 
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Späth,
 
der Besuch Ihrer märchenhaften Stadt Muggensturm war ein voller Erfolg. Gerne erinnere ich mich an den Empfang des Landrates und der detailreichen Vorstellung der Wirtschaftsregion Mittelbaden und insbesonders Ihrer Gemeinde.
 
Vornehmlich der Austausch im Saal der Wolf-Eberstein-Halle mit Ihren Mitbürgern war mir ein freudiges Erlebnis, weshalb ich mich schon jetzt über zukünftige Entwicklungen freue.
 
Daher möchte ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bei Ihnen und Ihrem Team bedanken, ohne deren Engagement all das nicht denkbar geworden wäre.
 
Auf meinen nächste Besuch in Muggensturm freue ich mich bereits jetzt schon und hoffe sehr, dass wir die gestarteten Gespräche fortsetzen können.
 
 
Mit den besten Grüßen aus Berlin
 
 
Ihr
 
Ashot Smbatyan„

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