Gemeinde Muggensturm

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Botschafter Ashot Smbatyan überbringt Freundschaftsgrüße aus Armenien

Es war ein wirklich außergewöhnliches Ereignis am vergangenen Donnerstag für Muggensturm. Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Gemeinde meldete sich der offizielle Botschafter eines Landes unserer Weltgemeinschaft zum „Staatsbesuch“ an.
S.E. Botschafter Ashot Smbatyan, im Range eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers, hatte sich einen ganzen Tag Zeit genommen, um die Gemeinde, aber auch den Landkreis und die Wirtschaftsregion Mittelbaden kennenzulernen.
Das Vormittagsprogramm begann mit einem Empfang im Landratsamt in Rastatt. Landrat Jürgen Bäuerle präsentierte die Vorzüge des Landkreises Rastatt und stellte die Wirtschaftsregion Mittelbaden vor. Er begrüßte die Anstrengungen um intensivere freundschaftliche und wirtschaftliche Kontakte sehr. Armenien ist auch für die Wirtschaftsregion Mittelbaden noch ein großer Unbekannter, angesichts der Vielfalt und Möglichkeiten der heimischen Industrie aber sehr interessant.
Anschließend geleitete Bürgermeister Dietmar Späth den Staatsgast nach einer kleinen Rundfahrt im Ort  zum offiziellen Empfang der Gemeinde Muggensturm ins Rathaus. Begleitet wurde dieser Empfang von  Vertretern der Geinderatsfraktionen, Birgitta Haller-Müller (CDU) und Walter Jüngling (SPD). Bürgermeisterstellvertreter Roland Essig aus Bietigheim komplettierte das kommunale Feld.
Auch Frau Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek (SPD) konnte sich den Tag Zeit nehmen, das Programm zu verfolgen. Sie brachte auch die Grüße und die Anerkennung von Michael Roth, Staatssekretär für Europa im Auswärtigen Amt, mit. Sie bezeichnete diese sich anbahnende Beziehung als „ Beitrag zu Frieden und Verständigung.
Ebenfalls vor Ort war Bürgermeister Rolf Reinhard a.D. aus Abtsteinach / Hessen, gerade auch in seiner Funktion als Teammanager der Bürgermeister Fußball Nationalmannschaft. Er war 2015 Initiator der gemeinsamen ersten Reise nach Armenien und berichtete von seinen überaus positiven Eindrucken über Land und Leute in Armenien.
Nachmittags ging es dann zur „Unternehmens-Kennenlern-Tour“ ins Gewerbe- bzw. Industriegebiet.
Die  europa- bzw. weltweit agierenden Betriebe Pister, Freiberger, Hartmann und L’Oréal  hatten sich zu zwar kurzen, aber sehr beeindruckenden Präsentationen vorbereitet. Die Inhaber bzw. Geschäftsführer Manfred und Boris Knapp (Pister), Oliver Heinisch (Freiberger), Alfons Hartmann (Hartmann) und Jörg Meyer ( L’Oréal) nutzten die Möglichkeit der Kontaktaufnahme zur möglichen künftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Unternehmen in Armenien.
Zum Abschluss des Besuchstages war die Bevölkerung zur Veranstaltung im Saal der Wolf-Eberstein-Halle eingeladen.
Dabei referierte Botschafter Smbatyan über Kultur, Historie, geschichtliche Entwicklung und aktuelle Situation Armeniens, welches als erstes Land der Welt das Christentum als Staatsreligion festlegte.
Er bekräftigte den Wunsch auf die Intensivierung der freundschaftlichen Verbindungen und den Beginn einer offiziellen Städtepartnerschaft mit einem Stadtbezirk Jerewans, was immerhin die erste offizielle kommunale  Partnerschaft beider Staaten bedeuten würde. „ Deutschland ist unser großes Vorbild, wir wünschen uns und brauchen Ihre Hilfe und Unterstützung beim weiteren Aufbau demokratischer und werteerhaltender Strukturen für unsere Gesellschaft in Armenien“, so sein Fazit ( der genaue Wortlaut wird im kommenden Gemeindeanzeiger abgedruckt) .
Der Eintrag in das Goldene Buch der Gemeinde beendete den offiziellen Teil der Veranstaltung.
Danach  konnten die Besucher noch die Gelegenheit nutzen, mit Botschafter Smbatyan persönlich ins Gespräch zu kommen.
Der Tag in Farbe :
 
 
 
 
 

Landrat Jürgen Bäuerle (l.) begrüßt und stellt dem Botschafter den Landkreis und die Wirtschaftsregion Mittelbaden vor
Landrat Jürgen Bäuerle (l.) begrüßt und stellt dem Botschafter den Landkreis und die Wirtschaftsregion Mittelbaden vor
Empfang im Muggensturmer Rathaus
Empfang im Muggensturmer Rathaus
Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde
Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde
Manfred Knapp stellt sein Familienunternehmen, die Firma Pister vor
Manfred Knapp stellt sein Familienunternehmen, die Firma Pister vor
die Muggensturmerin Emma Müller (m.), hier mit Botschaftsassistentin Lusine Sargsyan (l.) , wird ab Herbst 2019 eine soziales Jahr in Armenien verbringen
die Muggensturmerin Emma Müller (m.), hier mit Botschaftsassistentin Lusine Sargsyan (l.) , wird ab Herbst 2019 eine soziales Jahr in Armenien verbringen
laut Geschäftsführer Oliver Heinisch ist die Firma Freiberger nun der größte Fertigpizza-Produzent der Welt
laut Geschäftsführer Oliver Heinisch ist die Firma Freiberger nun der größte Fertigpizza-Produzent der Welt
Alfons Hartmann erläutert die verschieden Dienstleistungssparten der Firma Hartmann
Alfons Hartmann erläutert die verschieden Dienstleistungssparten der Firma Hartmann
Mit Geschäftsführer Jörg Meyer bei L'Oréal, das größte Unternehmens-Distributionsprojekt der Welt geht am 9. Mai 2019 offiziell in Betrieb
Mit Geschäftsführer Jörg Meyer bei L'Oréal, das größte Unternehmens-Distributionsprojekt der Welt geht am 9. Mai 2019 offiziell in Betrieb
Die Delegation auf Muggensturm-Tour: BM Stv Roland essig (Bietigheim), BM Rolf Reinhard (Abtsteinach/Hessen), MdB Gabriele Katzmarek, S.E. Botschafter Ashot Smbatyan, BM Dietmar Späth, Susi Späth, Grin Birgitta Haller-Müller, GR Walter Jüngling (v.l.n.r.)
Die Delegation auf Muggensturm-Tour: BM Stv Roland essig (Bietigheim), BM Rolf Reinhard (Abtsteinach/Hessen), MdB Gabriele Katzmarek, S.E. Botschafter Ashot Smbatyan, BM Dietmar Späth, Susi Späth, Grin Birgitta Haller-Müller, GR Walter Jüngling (v.l.n.r.)

Armenien – Land voller Geschichte und Abenteuer

S.E. Ashot Smbatyan
Botschafter der Republik Armenien in der Bundesrepublik Deutschland
 

Muggensturm - 28.03.2019
 
Wo beginnt und wo endet Europa? So simpel diese Frage auf den ersten Blick erscheint, so unterschiedlich kann man sie beantworten. Aus geografischer Sicht gehört zum Beispiel Deutschland eindeutig zu Europa, während Indien nicht in Europa zu verorten ist. Oder umfasst Europa all jene Länder, die das sogenannte europäische Wertesystem teilen? Ist Europa vielleicht ein global zu eruierender Wirtschaftsraum? Wie Sie sehen, lässt sich diese einfache Frage aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Was das konkret für ein Land wie Armenien bedeutet werde ich versuchen, Ihnen aufzeigen.
Armenien befindet sich in der Kaukasusregion an der geografischen Schnittstelle zwischen Europa und Asien und grenzt an die Staaten Türkei, Georgien, Aserbaidschan und den Iran.
Armenien hat ca. drei Millionen Einwohner.  Nach dem Zerfall der UdSSR 1991 rief Armenien nach einem Referendum seine Unabhängigkeit aus. Mit einer Fläche von rund 30.000 km2 ist das Land etwa so groß wie das Bundesland Brandenburg. Etwa die Hälfte Armeniens ist bergig und trocken, ein Drittel nehmen Weiden und Ackerflächen ein.
Politisch ist unser Land eine parlamentarische Republik, die eigentlich bis vor kurzem ein semipräsidiales Land war. Armenien ist quasi vom französischen Modell zum deutschen Modell übergegangen.
Das Land Armenien, das man heute besuchen kann, ist ein moderner und junger Staat, der noch keine dreißig Jahre alt ist. Die Wurzeln des armenischen Volkes reichen jedoch dreitausend Jahre zurück in die Geschichte. Gerade für ein so uraltes Land wie Armenien, das stets ein Zankapfel der Großmächte wie für den Osmanischen, Persischen Reich oder das zaristische Russland war, spielt die Geschichte eine herausragende Rolle.
Daher ein kurzer geschichtlicher Exkurs. Die Armenier gehören zu den ältesten Kulturvölkern der Welt. Wir selbst nennen unser Land Haiastan, was auf den mythologischen Stammvater Haik zurückzuführen ist, der in heidnischer Vorzeit auch als Gott verehrt wurde. Im vorchristlichen Jahrhundert erlebte Armenien in Folge des Kontaktes mit der hellenistischen Kulturwelt eine erste Blütezeit in der Kunst, Literatur und Handel. Man kann in dieser Zeit bereits den Beginn des kulturellen Austauschs zwischen Armenien und Europa verorten. Vor allem die strategische Lage des Landes auf der Ost-West-Route der damaligen Seidenstraße weckte schnell die Begierde fremder Mächte, denen sich Armenien jedoch bis in die römische Kaiserzeit hinein erfolgreich wiedersetzen konnte.
So alt wie unsere Geschichte ist auch unsere Religion. Das Christentum wurde vor mehr als 1.700 Jahren von Armenien, als erstes Land der Welt, zur Staatsreligion erklärt und bis heute spielt der christliche Glaube eine entscheidende Rolle im Leben vieler Armenier.
Trotz einer Reihe militärischer und politischer Niederlagen bewahrte sich das armenische Volk auch in den folgenden Jahrhunderten seine nationale Identität und einzigartige Kultur. Die Entwicklung des armenischen Alphabets spielte dabei eine entscheidende Rolle, auch wenn das Land politisch zersplittert war und unter fremder Herrschaft stand.
Im Osmanischen Reich nutze die damalige jungtürkische Regierung die Zeit des Ersten Weltkrieges, die systematische Ausrottung der armenischen Bevölkerung in den von Armeniern bewohnten Städten und Dörfern durchzuführen. Zwischen 1915 und 1916 sind 1,5 Millionen Armenier in ihrer Heimat Opfer des geplanten Genozids geworden. Die Wenigen, die sich retten konnten, fanden in Amerika, Europa und im Nahen Osten Zuflucht und gründeten dort die Gemeinden der armenischen Diaspora, die bis heute existieren. Auch die Diaspora ist eine wichtige Brücke zwischen Armenien und der Welt.
Als Folge des Ersten Weltkrieges entstand eine Reihe unabhängiger Staaten in Gebieten, die vormals zum Deutschen Kaiserreich, Osmanischen Reich und Russischem Kaiserreich gehörten. Einer dieser Staaten war die am 28. Mai 1918 ausgerufene Demokratische Republik Armenien, die jedoch nur zwei Jahre lang bestand und 1920 Mitglied der Sowjetunion wurde. Und somit blieb Armenien bis 1991 als eine der fünfzehn Sowjetrepubliken der UdSSR.
Es war ein langer und steiniger Weg bis zur Unabhängigkeit Armeniens. Mitte der achtziger Jahre begann in der Sowjetunion die sogenannten „Perestroika und Glasnost“, woran die Armenier aus Berg-Karabach als erste geglaubt haben und schon im Februar 1988 mit friedlichen Demonstrationen ihre Stimme gen Moskau richteten. Eine Stimme, die ca. 70 Jahre kein Gehör fand, sich nun aber Gehör verschaffen wollte. Diese Stimme wurde bereits damals durch die Sowjets unterdrückt und niedergehalten. Gegen den Willen des armenischen Volkes von Berg-Karabach hatte Stalin bereits 1920 mit der Entscheidung der damaligen Kavbjuro (Kaukasische Parteibüro) diese Region (Enklave) zur aserbaidschanischen Republik eingegliedert. Und nicht nur Berg-Karabach, sondern auch die Region Nachidschewan, die keine Grenzberührung mit Aserbaidschan hat, wurde nach Aserbaidschan eingegliedert.  Nachidschewan als autonome Republik, Berg Karabach als autonome Oblast.
Als Antwort auf die friedlichen Demonstrationen, sowohl in Berg-Karabach als auch in Armenien von 1988, begannen in Baku und in Sumgait regelrechte Pogrome gegen die armenische Bevölkerung. Diese Situation eskalierte zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR geriet der junge Staat (ähnlich wie die meisten anderen ehemaligen Unionsrepubliken) in eine schwere Wirtschaftskrise aber 1997 setzte das Wirtschaftswachstum wieder ein und im Jahre 2006 erlangte die Wirtschaftskraft des Jahres 1988 wieder.
Seit unserer Unabhängigkeit liegt das Ziel der armenischen Außenpolitik nicht darin, gegen ein Land zu agieren, sondern mit all unseren mittelbaren und unmittelbaren Nachbarn an einer dauerhaften friedlichen Koexistenz für die Region zu arbeiten. Aufgrund dieser Prämisse müssen Sie die armenische Außenpolitik auch als großes Ganzes betrachten und dazu gehören neben den einzelnen bilateralen Abkommen auch die Einbeziehung Armeniens in verschiedene Strukturen und Organisationen der internationalen Gemeinschaft. Vor diesem Hintergrund ist es auch zu verstehen, dass Armenien aus historisch erwachsenen Gründen einerseits eine enge strategische Partnerschaft mit Russland und andererseits sehr gute Beziehungen zum Westen, sprich der Europäischen Union und den USA pflegt. Kontinuierlich entwickeln sich auch die Beziehungen mit dem Iran, dem Nahen Osten und China.
Die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union zählt zu den priorisierten Richtlinien der Außenpolitik der Republik Armenien. Seit Beginn des neuen Jahrtausends wurden die bilateralen Beziehungen zwischen Armenien und der Europäischen Union daher sukzessive ausgebaut.
Ab Januar 2013 beschloss die armenische Regierung einseitig, die visafreie Einreise für EU-Bürger zu gewährleisten und verhandelt seither mit der EU über wechselseitige Visaerleichterungen und Rückübernahmeabkommen.
Im November 2017 hat Armenien schließlich mit der EU ein großes Rahmenabkommen geschlossen, das eine neue und breitere Tür für die Zusammenarbeit öffnet. Dabei unterstützt die EU den gesellschaftlichen Transformationsprozess, die politische Neugestaltung nach freiheitlich demokratischem Vorbild sowie die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit und den Kampf gegen die Korruption.
Im Hinblick auf den Berg-Karabach-Konflikt hat Armenien vor der Europäischen Union die Bedeutung bestehender vereinbarter Formate für eine friedliche Lösung bekräftigt. Zu Recht beruft sich die EU beim Berg-Karabach-Konflikt auf die Co-Vorsitzenden der Minsker-Gruppe innerhalb der OSZE. Sicherheit und Status der Bevölkerung von Bergkarabach haben die höhste Priorität.
Armenien ist zugleich Mitglied in der Eurasischen Wirtschaftsunion. Aus unserer Sicht können die Integrationsprozesse auch parallel erfolgreich laufen. Wir plädieren weiterhin für das „Sowohl – als auch“ und nicht das „Entweder – oder“.
 
 

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